Meine lieben Freunde,
es ist eigentlich unglaublich: Während ich diesen Newsletter schreibe, schaue ich auf gepackte Koffer und allerhand Tüten und Kartons, die es auf der Hinreise noch nicht gegeben hat und die voll sind mit italienischen Köstlichkeiten und anderen Spezialitäten. Ich würde sagen: Der Sommer ist vorbei! Unser Sommer zumindest, unsere Wochen auf Villole.
Wie kann das sein? Sind wir nicht gerade eben erst eingetroffen, habe ich nicht gerade eben gedacht, dass die jährlichen drei Wochen Toskana vermutlich niemals enden werden? Und dann ein Wimpernschlag und wir bereiten uns auf die Abreise vor. Auf die Reise zur anderen Seite des Sommers, dorthin, wo er so ganz langsam endet. Und selbst unsere Abreise von Villole wird wie immer erfolgen, wie ein festes Ritual, das sich in den letzten Jahren kaum verändert hat.
Knut und Mario werden in der Kies-Auffahrt stehen, wir werden uns umarmt und geküsst haben, wir werden uns auf das nächste Jahr freuen und dann steigen wir in unseren bis zum Dachgepäckträger vollgepackten Wagen ein, lassen den Motor an und die Scheiben herunter und aus den Lautsprechern kommt, so laut es irgend geht, ein Song aus dem Soundtrack unseres Lieblingsfilms „Mine Vaganti" von Ferzan Ozpetek: Una notte a Napoli. Und mit diesem Lied verschwinden wir dann in den Wald und arbeiten uns auf dem holperigen Weg hinauf zur Straße nach Montegonzi.

Auf der Kuppe unseres Berges oben angelangt, schauen wir noch einmal in diese traumhafte, arkadische Landschaft, in die wir uns so sehr und so lange schon verliebt haben und die auf uns wirkt, als wäre sie aus einer anderen Welt, aus einer anderen Zeit. Während wir hier Abschied nehmen, läuft dann ein anderes Lied aus „Mine vaganti" und Sali sagt wie jedes Jahr: Meinen 60. Geburtstag feiern wir hier, und zwar in unserem eigenen Haus. Wir schlängeln uns dann auf unendlichen Serpentinen ins Arnotal, wenn wir Glück haben, werden wir noch von einer Ape abgebremst, die sich nicht überholen lassen will. Wir schauen ein letztes Mal auf die Steinhäuser mit den Zypressen, auf all die Schönheit, die man nach so vielen Jahren immer noch nicht ganz fassen kann, und erreichen irgendwann Menchetti unten auf der Hauptstraße, wo es nicht mehr ganz so traumhaft toskanisch aussieht. Menchetti ist so etwas wie ein italienisches Diner, alle Köstlichkeiten Italiens liegen da frisch zubereitet in der Vitrine, herrliche Pizzen, köstliche Tramezzini, Cornetti al pistacchio und was sonst noch dicker und glücklicher macht. Wir decken uns für die lange Rückreise ein, trinken einen letzten „caffè" und schon sind wir auf der Autobahn. Der Urlaub endet, wo die Erinnerungen an ihn beginnen.
Eine der schönsten Erinnerungen hat etwas mit der Musik zu tun, die wir zum Abschied hören. Vor vielen Jahren haben wir hier das Format „Sommerkino" begründet. Auf der Terrasse an der Talseite des Hauses, unter dem großen Maulbeerbaum, bauen wir eine riesige Leinwand auf und schauen unter dem schönsten denkbaren Sternenhimmel so ungefähr zweimal in der Woche Filme. Und immer eröffnen wir das Sommerkino mit dem gleichen Film, mit „Mine vaganti", einem echten Meisterwerk, das italienischer nicht sein kann, obwohl sein Regisseur eigentlich Türke ist. Kann man sich Abende herrlicher vorstellen als mit einem kühlen Wein im Sommerkino auf Villole? Laues Lüftchen, Sternenhimmel?
Und dann die wenigen, aber ganz und gar schönen Ausflüge, z. B. den nach Anghiari, über den ich berichtet habe. Und zu den Ausflügen gehören sicher auch die Abstecher in die Outlets bei Florenz. Ein kleines Schnäppchen bei einer der großen italienischen Marken Italiens, dagegen spricht ja eigentlich auch nichts. All dies sind zwar schöne Erinnerungen, aber eigentlich auch nur „Unterbrechungen" von dem, um was es hier wirklich geht. Tagelang in der Hängematte liegen, in die Krone der uralten Eiche schauen, sich freuen, wenn tatsächlich mal ein frisches Lüftchen vom Tal heraufzieht, und versuchen, möglichst an nichts zu denken. Und wenn man dann genug an nichts gedacht hat, denkt man an das Abendessen. Denn das ist ja die zweite Sache, um die es wirklich geht: Essen und Trinken! Was kochen wir heute Abend? Das ist die zentrale Frage, die immer irgendwie im Raum steht und diskutiert wird. Es ist eine Frage, die eigentlich zu den schönsten Momenten in meinem Leben führt: dem gemeinsamen Essen mit Menschen, die ich liebe, an einer großen Tafel. Und hier auf Villole haben wir sie tatsächlich, die herrlichen, langen Tische mit tollem Porzellan und Gläsern, unter Dächern aus Efeu mit Blick in die Ewigkeit der toskanischen Landschaft, lachend, schmausend, mit den Patenkindern und engsten Freunden, bis spät in die Nacht. Die Erinnerungen an solche magischen Momente sind so schön, sie machen fast ein bisschen traurig.
Andererseits ist es aber auch ganz umgekehrt: Ein Urlaub ist ja erst richtig gut und schön, wenn man am Ende genug von ihm hat und sich auf zu Hause freut. Und auch so geht es uns momentan. Es reicht jetzt auch mit den langen Tischen, den Patenkindern, dem Sternenhimmel und all den Herrlichkeiten Italiens. Es reicht jetzt auch mit der Hitze. Durchgehend lagen die Temperaturen hier um die 40 Grad und damit ist es dann auch mal gut. Zuhause freuen wir uns auf muckelige 24 Grad bei frischem Seewind und überhaupt auf alles das, was kommt. Und genau das, was kommt, wird sehr anstrengend und sehr, sehr lustig. Das kann man, glaube ich, jetzt schon sagen! Es wird Landpartien geben, einige Überraschungen, die ich ja bereits ominös angekündigt habe, es wird die Weihnachtskollektion geben (Freut Euch!), viele Newsletter und überhaupt einen turbulenten Herbst und eine aufregende Weihnachtszeit.
Der Sommer darf also ruhig enden. Danke, Sommer! Du hast Dein Versprechen erfüllt.
Beste Grüße,
Euer Björn